Die ersten Bestellungen aus Texas sind da. Dann schreibt eine Kundin aus Florida: Die Tasche ist zu klein, wohin soll ich sie zurückschicken? Und ein paar Tage später will der Marktplatz Ihre Adresse noch einmal bestätigt haben. Spätestens jetzt suchen viele Händler aus Deutschland, Österreich und der Schweiz nach einer US-Adresse für den Onlineshop.
Wir sind selbst so eine Adresse, am Biscayne Boulevard in Miami. Gerade deshalb sagen wir es gleich am Anfang: Für manches, was Onlinehändler brauchen, sind wir die richtige Lösung, für anderes ausdrücklich nicht. Dieser Ratgeber trennt das sauber. Allgemeine Informationen, keine Rechtsberatung, und die Regeln der Marktplätze ändern sich. Wir geben den Stand vom November 2026 wieder.
Was wir nicht sind: kein Lager, kein Weiterleiter für Einkäufe
Fangen wir mit dem Wichtigsten an, damit niemand falsch bucht.
- Kein Lager. Wir halten keinen Warenbestand, verschicken keine Bestellungen an Ihre Kunden und machen kein Dropshipping. Waren zum Weiterverkauf nehmen wir nicht an.
- Keine Retouren von Marktplätzen. Rücksendungen Ihrer Kunden dürfen nicht an unsere Adresse gehen.
- Keine Weiterleitung von Online-Einkäufen. Wer privat in US-Shops bestellen und sich die Ware nach Hause schicken lassen will, braucht einen Weiterleitungsdienst für Einkäufe. Das sind wir nicht.
Für Ware in den USA brauchen Sie ein Fulfillment-Lager, also einen Dienstleister, der Ihre Ware lagert, verpackt und verschickt. Für Rücksendungen gibt es eigene Retourendienste. Beides machen wir nicht, und wir finden es fairer, das hier zu lesen als nach der ersten Abrechnung.
Wofür eine US-Adresse Ihrem Shop trotzdem hilft
Post aus den USA. Briefe von Kunden, Lieferanten, Anwälten und Behörden kommen innerhalb der USA an statt über den Atlantik. Unser Team nimmt sie im Gebäude an, fotografiert jeden Umschlag und stellt das Foto noch am Tag der Erfassung in Ihre App. Rechtliche und behördliche Post scannen wir in jedem Tarif kostenlos. Haben Sie eine US-LLC (die US-Gesellschaftsform, grob vergleichbar mit einer GmbH), gilt das auch für Briefe vom IRS, der US-Steuerbehörde.
Eine Kontaktadresse für US-Kunden. Auf der Kontaktseite, auf Rechnungen und in der Korrespondenz wirkt eine Adresse in Miami für eine Kundin in Atlanta vertrauter als eine Postleitzahl im Allgäu. Ob sie auch ins Impressum darf, ist eine andere Frage, dazu gleich mehr.
Einzelne Pakete von Geschäftspartnern. Im Tarif Business nehmen wir bis zu 5 Pakete im Monat an, im Tarif Executive bis zu 15, etwa Muster eines US-Lieferanten oder Unterlagen. Der Tarif Adresse gilt für Briefe und Großbriefe. Und auch in den größeren Tarifen gilt: kein Warenbestand und keine Retouren.
Ein Adressnachweis. Die Tarife Business und Executive enthalten einen Dienstleistungsvertrag, den Sie als Nachweis Ihrer US-Adresse vorlegen können. Ob ein Marktplatz oder eine Bank ihn annimmt, entscheidet allerdings der Marktplatz oder die Bank.
Was Marktplätze selbst verlangen
Hier geben wir nur wieder, was die Plattformen und Behörden selbst veröffentlichen. Keine Adresse, auch unsere nicht, garantiert Ihnen eine Freigabe.
Amazon verlangt für ein Verkäuferkonto laut offizieller Liste unter anderem einen Ausweis, eine Kreditkarte, ein Bankkonto und einen Nachweis Ihrer Wohnadresse, nicht älter als 180 Tage. Ob Amazon eine Adresse eines Postannahmedienstes als Geschäftsadresse akzeptiert, ist offiziell nicht dokumentiert. In Foren berichten Verkäufer von Ablehnungen.
Das US-Gesetz für Marktplätze. Seit 2023 gilt in den USA der INFORM Consumers Act. Laut der Handelsbehörde FTC müssen Marktplätze Angaben von Händlern mit vielen Verkäufen sammeln und prüfen. Gemeint sind Händler mit mindestens 200 Verkäufen und mindestens $5.000 Umsatz über den Marktplatz innerhalb von 12 Monaten. Ab $20.000 Jahresumsatz auf einem Marktplatz muss dieser den Kunden außerdem den Namen, eine physische Adresse und Kontaktdaten des Händlers zeigen. Wer nur von zu Hause aus verkauft, kann sich auf Land und Bundesstaat beschränken lassen. Ob eine Geschäftsadresse wie unsere dort als physische Adresse durchgeht, prüft der Marktplatz. Zusagen können wir dazu keine machen.
Shopify Payments ist kein Marktplatz, sondern der Zahlungsdienst der Shop-Plattform, betrifft aber viele Händler. Shopify schließt Postfächer und private Briefkastenadressen dort ausdrücklich aus. Die Details und Quellen stehen in US-Geschäftskonto der LLC: welche Adresse?
Unser Rat ist schlicht: Wenn eine Plattform nach dem Ort fragt, an dem Ihr Geschäft tatsächlich betrieben wird, geben Sie den echten an, also Ihr Büro oder Lager zu Hause. Die Adresse in Miami gehört dorthin, wo Post ankommen soll.
Retouren: was mit Rücksendungen aus den USA passiert
Retouren sind der Punkt, an dem sich die Frage nach der US-Adresse am dringendsten anfühlt. Eine Kundin in Ohio schickt ungern ein Paket nach Europa.
Amazon beschreibt für Händler ohne Rücksendeadresse in den USA eigene Wege, auf der Hilfeseite Customer returns for international sales: eine Erstattung, ohne dass die Ware zurückkommt, ein vorab bezahltes Rücksendeetikett ins Ausland oder eine Rücksendeadresse in den USA über einen Retourendienstleister. Beträge und Fristen ändern sich, prüfen Sie den aktuellen Stand in Seller Central.
Für den eigenen Shop legen Sie die Regeln selbst fest. Bei günstiger Ware ist eine Erstattung ohne Rücksendung manchmal billiger als das Porto zurück über den Atlantik. Was für Sie passt, rechnen Sie am besten an Ihren eigenen Margen durch. Nur eines bitte nicht: unsere Adresse als Rücksendeadresse angeben. Wir nehmen Marktplatz-Retouren nicht an.
Das Impressum
Wer an Kunden in Deutschland oder Österreich verkauft, kommt am Impressum kaum vorbei, und die Adresszeile ist dort heikel. Ob eine Adresse in Miami reicht, ist umstritten. Ein Oberlandesgericht hat eine Adresse ohne Büro schon genügen lassen, eine IHK sieht virtuelle Büros kritisch. Alle Quellen stehen in Impressum mit US-LLC: welche Adresse gehört hinein? Die Entscheidung trifft Ihr Anwalt, nicht wir.
Was in jedem Fall stimmen muss: Post an die angegebene Adresse muss Sie schnell erreichen. Ein Brief, der wochenlang ungelesen liegt, hilft niemandem.
Steuern und Zoll
Ob und wo Sie in den USA Sales Tax abführen müssen, also die Umsatzsteuer der Bundesstaaten, ist eine Frage für einen Steuerberater mit US-Erfahrung. Wir können sie nicht beantworten, und eine Adresse beantwortet sie auch nicht. Und Zölle fallen an der Grenze an, egal wo Ihre Briefe ankommen.
Welcher Tarif zu einem Onlineshop passt
Für die meisten Shops reicht der Tarif Adresse für $39 im Monat: Briefe, ein Foto jedes Umschlags, Scans für $2,50 pro Umschlag. Kommen öfter Pakete von Geschäftspartnern oder brauchen Sie einen Adressnachweis, passt Business für $89. Executive für $199 lohnt sich eher, wenn Sie Schecks auf Ihr eigenes US-Konto einreichen lassen. Das sind die Preise von heute, alles Weitere auf der Preisseite. Sie melden sich online in wenigen Minuten an, erledigen das Formular 1583 der US-Post per Video mit einem Online-Notar und sehen ab der Freigabe Ihre Post in der App. Mehr dazu auf der Seite Geschäftsadresse in den USA für Ihr Unternehmen.